Den erzählerischen Rahmen zu Thomas Meineckes neuem Buch Musik bildet das Wolfratshausener Geschwisterpaar Kandis und Karol. Sie ist Schriftstellerin, er Steward. Sie arbeitet an einem Roman, er – zwischen den Flügen – an einer Untersuchung. Kandis‘ Recherchen konzentrieren sich auf Leben und Werk von unter anderem Lola Montez, Ludwig I., D.H. Lawrence, Frieda von Richthofen und Lou-Andreas Salomé, Karol forscht auf medienwissenschaftlicher Ebene.
Wie schon in Tomboy (1998) und Hellblau (2001) geht es Meinecke auch in Musik nicht darum, eine Handlung zu erzählen. Sein Anspruch ist ein kulturwissenschaftlicher: Kandis und Karol reflektieren in ihren Diskussionen, beim Lesen und Musikhören die Frage, die sich der Autor stellt: Wie entsteht Gender? Wie sind und werden Geschlechter kulturell kodiert?
Als Musiker stellt Meinecke diese Frage vor allem in Zusammenhang mit Musik. Er untersucht, was Jazz, Funk, Soul, Rock oder Disco transportieren, wie sie gesellschaftliche Prozesse auslösen, reflektieren oder beeinflussen. Aus Meineckes literarisch-wissenschaftlichem Sampling ergeben sich hochinteressante Gedanken, die vom Leser weiter gesponnen werden wollen.